"Die Elbphilharmonie wäre früher fertig geworden...!"

Dr. Christian Schnülle und David Pohle im Gespräch über Hamburger Erfolgsstrategien, das richtige Bauchgefühl und eine Stadt zum Verlieben

 

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CONSULTING (P)REVIEW: Herr Dr. Schnülle, wie fühlen Sie sich als „Wieder-Hamburger“, mit neuer HTU Niederlassung am Gänsemarkt?

Christian Schnülle: Ein wunderbares Gefühl! HTU ist Hamburg seit über 25 Jahren eng verbunden, durch den neuen Standort und die Vernetzung haben wir ein starkes zweites Standbein. Wir freuen uns über neue  Kunden, mit voller Kraft geht es voraus. Führen und Verkaufen sind spannende Themen, auch zwischen Alster und Elbe. Hier gibt es viel Mut und eine tolle Aufbruchsstimmung. Hamburg bedeutet Lebensqualität, Hamburg bereichert.

Wenn Sie als Controller vor zehn Jahren das Projekt Elbphilharmonie auf den Schreibtisch bekommen hätten, würde das Gebäude heute dort stehen, wo es nach schier unüberwindbaren Schwierigkeiten jetzt in der Hafencity steht?

Christian Schnülle (lacht): Die Elbphilharmonie wäre früher fertig geworden! An der Architektur hätte ich definitiv nichts geändert, wir hätten das  Kostenkorsett besser in den Griff bekommen, das  Controlling wäre intelligenter aufgesetzt worden. Mit öffentlichen Mitteln zu arbeiten, scheint für einige Kollegen sehr einfach zu sein. In der freien Wirtschaft hätte das schon viel früher Konsequenzen gehabt…

Wird die Elbphilharmonie das neue Wahrzeichen Hamburgs?

David Pohle: Definitiv! Aber den Michel, die Elbe und die Alster, die nimmt der Stadt ja niemand weg. Wenn man mal die Oper von Sydney nimmt: es gibt kein einziges Bild von Sydney oder von Australien, wo dieses Gebäude nicht zu sehen ist. Man kann allerdings Jahrhundertbauwerke nicht wenige Wochen nach der Eröffnung beurteilen.

Christian Schnülle: Der Sog ist unglaublich! Allerdings glaube ich nicht, dass es „das“ Wahrzeichen von Hamburg wird, sondern ein weiteres. Hamburg hat Tradition, die jetzt durch Moderne ergänzt wird. Die Elbphilharmonie bringt Hamburg, trotz aller Verzögerungen wesentlich nach vorne. Hohe Attraktivität, tolle Positionierung – kurz: Es ist ein Meisterwerk!

Ihr persönlicher Lieblingsplatz?

Christian Schnülle: Ich liebe die Speicherstadt und Eppendorf mit dem Isemarkt, ich jogge gerne um die Außenalster. Am Hafen erobere ich mir gerade neue Orte, alles ist in Bewegung zwischen Elbe und Alster. Hamburg ist durch seine Vielfalt geprägt und durch die gute und schnelle Erreichbarkeit.

David Pohle: Mein Lieblingsplatz? Die Elbe – immer! Zu jeder Jahreszeit, zu jeder Uhrzeit, an jeder Stelle!

Herr Pohle, reden wir über Hamburgs Vergangenheit! „Die Kiste kommt uns nicht in den Hafen!“ lautete es unisono aus Senat und der Hafenarbeiterschaft, als 1968 der erste Containerfrachter den Hafen anlief. Und heute? 

David Pohle: Heute dominieren Container den Welthandel! Wir stehen gerade vor der Cap San Diego, einem der „weißen Schwäne des Südatlantiks“, damals Stückgutfrachter. Sie liegt heute als Museumsschiff an der Kette – es gibt für  die Stückgutverschiffung keinen Markt mehr. Heute spricht man von der Elbvertiefung und immer gigantischeren Containerfrachtern, die Hamburg an der Lebensader zur Weltwirtschaft halten sollen. Dafür, dass die Kiste nicht in den Hafen kommen sollte, ist in den letzten Jahrzehnten doch eine Menge passiert! Aber in Hamburg hat man zum Glück Veränderungen immer auch als Chance wahrgenommen.

1961 – 2017: Wandel zu Superlativen auf den Weltmeeren

Der Welthandel auf Seewegen macht heute 90 Prozent des gesamten Welthandels aus, seit 1960 hat er sich um den Faktor 19 erhöht. Die Cap San Diego ist das bekannteste Symbol für den Wandel des Hamburger Hafens durch moderne Containerschiffe, eines der letzten Exemplare einer untergegangenen Epoche. Sie wurde 1961 gebaut und liegt seit 1986 an der Überseebrücke. Das Schiff wurde als Stückgutschiff gebaut, bis in die 1980er Jahre war es im Liniendienst zwischen Hamburg und Südamerika eingesetzt. Der „Weiße Schwan“  transportierte Maschinen, Chemikalien und Automobile, aber auch lebende, trächtige Kühe, Kaffee, Fleisch, Äpfel, Birnen, Weintrauben, Orangen und Textilien. In Kisten und Säcken wurde das Stückgut an Bord verstaut. Wenige Jahre später wurde der erste Seecontainer im Hamburger Hafen umgeschlagen, der bis heute anhaltende Siegeszug der Containerschiffe begann. Ab den 1980er Jahren wurde sie durch Containerschiffe ersetzt.

Die CAP SAN DIEGO ist heute das größte, fahrtüchtige Museums-Frachtschiff der Welt. Der Containerumschlag ist Hamburgs wichtigstes Geschäftsfeld.

Am 15. Mai 2017 lief der Containerriese MOL TRIUMPH im Rahmen ihrer Jungfernfahrt den Hamburger Hafen an. Der Mega-Carrier ist das neue Flaggschiff der japanischen Reederei MOL Mitsui O.S.K. Lines und das erste Containerschiff der Welt, das mit seiner Ladekapazität die Schallmauer von 20.000 Standardcontainern durchbricht. Aneinandergereiht ergeben die Container eine Länge von 125 km. Die maximale Tragfähigkeit des Riesenschiffs  liegt bei unfassbaren 196.878 Tonnen, was ungefähr 140.000 VW Golf entspricht. Die Cap san Diego brachte es gerade mal auf 10.700 Tonnen

Herr Schnülle, wie sehen Sie das?

Christian Schnülle: Hamburg hat einen verborgenen Charme, was Innovationen betrifft. Der wirkt oft erst auf den zweiten Blick. Aber die Stadt ist Vorreiter in vielen Bereichen. In dieser sympathischen Metropole ist man zurückhaltend in der Ausführung und angenehm in der Umsetzung.

 Es gibt immer wieder sich widersprechende Überlegungen, was die künftigen Kapazitäten, für Bedarfe und die notwendige Elb- und Hafentiefe betrifft. Wie kann man Zukunft gestalten? 

Christian Schnülle: Primär durch Annnahmen, die auf Erfahrungswerten getroffen werden. Und durch innovative, Grenzen sprengende Ansätze. Und drittens durch Mut. Man muss manchmal Dinge machen und umsetzen, ohne ständig an mögliche Probleme und Reglementierungen zu denken!

 Herr Pohle, mit Ihrem Reisemagazin Sehnsucht Deutschland haben Sie für Furore gesorgt, als Sie nach der WM 2006 gesagt haben, dass Deutschland als Reiseziel wieder attraktiv werden würde, das Handelsblatt sprach gar von einem „kleinen Wunder in Hamburg“. Außerdem haben Sie 2015 das renommierte Magazin Der Hamburger übernommen. Wonach richten Sie Ihre Handlungs- und Zukunftsoptionen aus? 

David Pohle: Was ich tue, soll mir auch Spaß bringen. Wir haben erst das Reisemagazin „Sehnsucht Deutschland“ gegründet und dann den Hamburger übernommen, als alle Welt sagte: „Print ist tot, alles was zählt ist online, online, online…!“ Aber Delikatessengeschäfte haben eine Berechtigung, genau wie mit Leidenschaft gemachte Magazine aus Papier. Das ist wie Soulfood – man liest etwas Vernünftiges und kann in Ruhe schöne Bilder genießen und nicht nur das austauschbare Fastfood aus dem Netz. Es gibt viele Leute, die das Heft interessiert. Und es gibt viele Leute, die es noch nicht kennen, die es aber bald interessieren wird!

Christian Schnülle (lacht): Diese Begeisterung teile ich! Das Heft ist emotional sehr anregend, großartig gemacht und haptisch sehr ansprechend. Die Stories sind sehr besonders, das ist einfach Hamburg zum Verlieben!

Schnuelle mit Philharmonie

 

Wie kann ein Zahlenmensch wie Christian Schnülle von Emotionen sprechen?

Christian Schnülle (lacht): Wie kommen Sie darauf, dass ich ein Zahlenmensch bin? Ich bin hochemotional! Zwar bin ich von der Ausbildung her Controller. Wer aber als Zahlenmensch keinen hohen emotionalen Anteil hat, wird nie erfolgreich sein. Man braucht das Bauchgefühl, um gute Entscheidungen treffen zu können.

 Warum nicht?

Christian Schnülle: Man braucht das Bauchgefühl, um gute Entscheidungen treffen zu können, die man rational gar nicht begründen kann. Übrigens ist meistens der erste Gedanke auch der richtige Gedanke. Und der kommt in der Regel aus dem Bauch.

 

„…dann gibt es eben Bratkartoffeln!“

David Pohle: Dem kann ich nur zustimmen, obwohl ich eine Bankausbildung gemacht habe und anschließend ein Jurastudium. Allerdings bin ich von Haus aus so eingestellt, dass man nur ausgeben kann, was man hat. Wenn nichts da ist, gibt es Bratkartoffeln, bis mal wieder etwas da ist. Das Leben auf Pump mit ungewisser

Perspektive würde mir Magenschmerzen bereiten. Es wird in der Welt immer alles komplizierter, es wird immer komplizierter gedacht, dass am Ende niemand mehr etwas versteht und wirklich belastbar gefragt werden kann. Ich weiß, wie viel Geld wir haben. Und ich weiß, wie viel die Dinge kosten. Und ich weiß, wann sich eine Investition gerechnet haben muss. Ich finde das generell gar nicht so kompliziert. Am Ende des Tages ist die Rechnerei doch relativ einfach. Der Rest ist persönlicher Einsatz. Dabei geht es darum, Ideen umzusetzen und erfolgreich zu machen.

Wir stehen vor dem Verlagsgebäude von Gruner & Jahr, seit 1991 ein architektonisches Symbol für Aufbruch und Veränderung in Hamburg, ein stilisierter Ozeanriese aus Titanzinkblech. 2021 verlässt der Verlag das Gebäude, die Folgen des digitalen Wandels im Medienbereich sind auch für den Vorstand unabsehbar. Was empfindet der Verleger David Pohle? 

David Pohle: Keine Ehrfurcht! Ich habe den Eindruck, dass im gesamten Verlagswesen die Produkte nur noch auf den Massengeschmack getrimmt werden. Eine Entwicklung, wie man sie auch im Fernsehen beobachten kann. Das gefällt mir nicht. Produkte, die mehr Tiefe haben, mehr Inhalt, werden eingestellt, weil sie nur noch von 10.000 Menschen gekauft werden. Aber 10 Millionen Leute kaufen jede Woche Freizeitrevue oder das Goldene Blatt. Das regt mich auf. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass die Digitalisierung nicht dazu führen wird, dass die Leute nur noch auf ihren Handys und mobilen Anwendungen lesen!

1991 – 2021: Digitalisierung erzeugt Fragezeichen

Es war ein Paukenschlag, als das neue Verlagsgebäude von Gruner & Jahr 1991 bezogen wurde, als ein architektonisches Symbol für Aufbruch und Veränderung in Hamburg, wo traditionell roter Backstein dominierte. Doch schon 2021 wird der Verlag sein Flaggschiff am Hamburger Hafen, den stilisierten Ozeanriesen mit den vielen Decks, wieder verlassen. Gruner+Jahr hatte in den vergangenen Jahren die Zahl der Mitarbeiter in der Hansestadt deutlich reduziert. Der digitale Wandel im Medienbereich, das Einbrechen der Auflagezahlen und Anzeigenerlöse im gesamten Printbereich und das unvorhersehbare Publikumsverhalten macht langfristige Planungen im Bereich der bunten Magazine und Zeitungen. „Umziehen. Weitermachen. Journalismus ist nicht aus Steinen und Titanzinkblech gebaut. Er ist aus Menschen!“ machte nach der Bekanntgabe der Umzugspläne die ZEIT sich und der ganzen Medienbranche Mut. Wie die Stadt Hamburg das von den Architekten der Architekten Steidle & Partner und Kiessler & Partner errichtete Haus nutzen will, ist noch offen. 

Was macht Sie da so sicher? 

David Pohle: In meinem gesamten Freundeskreis gibt es niemanden, der eine Bezahl-App auf seinem Telefon oder dem Tablet hat! Sicher ist richtig, dass die Leute mittlerweile weniger Zeitung lesen. Aber das, was sie in der Zeitung nicht mehr lesen, das lesen sie auch nicht woanders. Es geht nur noch um laute Überschriften und Kommentare. Das ist so, als würde jemand das Fenster öffnen und nur noch raus schreien – ganz furchtbar!

Christian Schnülle: Die Digitalisierung erwischt uns alle. Die Frage ist nur, mit welcher Welle! Ich stimme David Pohle zu, dass im Medienbereich die emotionale Wirkung, die ein Printprodukt zu erzeugen vermag, digital nicht abbildbar sein wird. Den optischen Genuss kann mir kein Ipad vermitteln. Auch in meinem Freundeskreis kenne ich niemanden, der diese Medien per App bedient. Die Schönheit des Durchblätterns eines hervorragend gemachten Magazins wie beispielsweise des Hamburgers kommt digital definitiv nicht rüber.

David Pohle: Allerdings sind die Möglichkeiten, dieses Magazin in der digitalen Welt bekannter zu machen, einzigartig, über Social Media, Newsletter und E-Mails. Aber der Hamburger bleibt ein gedrucktes Produkt aus tollem Papier und einer opulenten Bildsprache. Ein Überformat mit brillanten Fotos von tollen Fotografen und sehr guten Texten.

 Herr Schnülle, Ihre These lautet „Operation Zukunft: Die Chancen der Digitalisierung intelligent mit der Kraft des Analogen verbinden!“

Christian Schnülle: Die Digitalisierung erwischt uns alle. Die Frage ist nur, mit welcher Welle! Die Veränderungen sind in vollem Gange! In meinen Schwerpunkten, also den Bereichen Vertrieb und Führung, geht es um eine Symmetrie aus Analog und Digital, um eine Verzahnung. Niemand kann mit Exel-Tabellen führen. Das persönliche Gespräch ist durch nichts zu ersetzen. Die entscheidenden Impulse entstehen beim Kontakt zwischen Menschen, das gilt besonders für die Motivation.

 interview dreier

Wie motiviert man Menschen?

Christian Schnülle: Gute Leute sind motiviert! Die Führungskräfte müssen Ziele definieren und vorgeben. Jeder Mitarbeiter bekommt präzise Vorgaben. Erfüllt er diese, lockt Anerkennung.

David Pohle: Die allermeisten Leute, die ich erlebe, egal ob an der Supermarktkasse, auf der Straße oder im Büro, werden nie gelobt und ordentlich behandelt. Begrüßen Sie mal bei Aldi oder Edeka eine Verkäuferin mit ihrem Namen – die wird verzückt Ihre Einkäufe fallen lassen, weil sie sich darüber freut. Für eine kurzeitige Motivation ist das wie ein Traubenzückerchen! Aber es geht um eine Haltung gegenüber den Leistungen von Menschen, um die Wahrnehmung und darum, diese auch zu zeigen, „ich habe gesehen, was du gemacht hast…!“

Christian Schnülle: Lob und Anerkennung sind menschliche Gesten, die zunächst mit Geld noch gar nichts zu tun haben. Leider wird viel zu selten gelobt.

David Pohle: In der Praxis sieht es doch so aus, dass einem kurzen Lob meist das große „...aber!“ folgt, „,mach es doch bitte so, wie ich es möchte…!“

Christian Schnülle: Lob mit einem „…aber!“ funktioniert nicht. Lob ist puristisch, einfach und klar.

David Pohle: Lob mit „…aber!“ ist hinterhältig! Wenn man eine gute Unternehmenskultur hat, kann man auch konstruktive Kritik äußern.

 Wie motiviert man in wirtschaftlich schwierigen Zeiten?

Christian Schnülle: Das ist relativ simpel. Veränderungen gehen in der Regel mit Ängsten und Befürchtungen einher. Deshalb muss man früh, intensiv und anständig informieren. Es ist entscheidend, Mitarbeiter früh einzubinden. Denn Veränderungen kommen nicht überraschend. Veränderungen sind absehbar. Je früher man die Mitarbeiter in diesen Prozess einbezieht, umso besser und schneller kann man die Veränderungen umsetzen.

David Pohle: Verrückt, dass mir das jetzt einfällt! Ich erinnere mich an gelegentliche Dauerläufe mit meinem Bruder vor vielen Jahren, auf dem Land. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich keinen Bock mehr hatte und dann nicht mehr konnte, oder ob es umgekehrt war… Jedenfalls kamen wir jedes Mal auf eine Straße, die schier endlos schien, kein Baum als nächste Markierung, nichts. Er hat keine besondere Belohnung in Aussicht gestellt, sondern an meine Sportlerseele appelliert. Aber zu Fuß nach Hause zu gehen war auch keine Option. Und danach gab es eine riesige Cola! Im Ziel war ich glücklich, mich durchgebissen zu haben! Es ging ja, wir haben nicht die Flinte ins Korn geworfen. Diese Erfahrung bestimmt mein Denken, dieses Sich-Durchbeissen, nicht Aufgeben. Das galt später auch für solche Fron-Arbeiten, in der Ausbildung oder als Student, 1000 Briefe eintüten. Ich habe so was immer sportlich gesehen, (lacht) die Deutsche Nationalmannschaft im Stadion der Briefeintütweltmeisterschaft!

 gespräch pohle

Erfolg hat also damit zu tun, dass Dinge erledigt werden, die nicht zwingend Genuss erzeugen?

David Pohle: Ganz genau! Ingo C. Peters, der heutige Direktor vom Hotel Vier Jahreszeiten, begann dort nach dem Abitur als 19-Jähriger als Page. Sein Ziel war übrigens schon damals, dort später Hoteldirektor zu werden. Aber vorher hat er wirklich jeden Job, den es im Hotel gibt, selber gemacht. 2014 war er dann „Hotelier des Jahres“. Dafür hat er 20 Jahre beinhart gearbeitet.

 Welche Ziele hat David Pohle?

David Pohle: Kann ich gar nicht genau sagen! Mein Leben war von Zufällen geprägt. Nach dem Abitur bin ich zum Bund gegangen, danach wusste ich nicht, was ich machen sollte und habe eine Banklehre gemacht, das war etwas Reelles. Da wusste ich immerhin: ich will kein Banker werden. Aber ich wusste immer noch nicht, was ich machen sollte. Dann habe ich Jura studiert, mit Abschluss. Das war eine sehr schöne Zeit. Aber Jurist wollte ich auch nicht werden. Also habe ich Sportmarketing gemacht, bis ich irgendwann Geschäftsführer war, das war auch prima.

 Und dann?

Dann wurde die Firma verkauft. Und dann wurde ich ungeplant Verleger! Das mache ich jetzt seit zehn Jahren. Meine Ziele und Wunschvorstellungen sind eher privater Natur. Ich möchte noch viel von der Welt sehen, ich möchte, dass meine Familie gesund und happy ist. Früher wollte man ja immer reich und berühmt werden. Doch je älter man wird, desto unbedeutender wird Geld und man versteht, dass Gesundheit alles ist. (lacht) Es ist also nicht mein Ziel, dass der HAMBURGER das größte Magazin der Welt wird und ich der prominenteste Verleger Hamburgs bin.

 Wie werden sich die Dinge bei Ihnen entwickeln?

David Pohle: Wenn man fokussiert ist und ernsthaft seinen Job macht, kann sich alles Mögliche entwickeln, das sehe ich sportlich! Und man ist übrigens auch kein Loser, wenn mal etwas nicht klappt. Wenn eine Idee nicht aufgeht, muss man allerdings rechtzeitig die Konsequenzen ziehen und etwas anderes machen!

Christian Schnülle: Mein Credo! Es zählen nicht Worte, sondern Taten! Erfolg ist planbar, das Geheimnis von Erfolg ist ein klares Ziel, Umsetzung, Ausdauer und Mut. Ich erinnere mich an meinen ersten Halbmarathon, den ich in London 1989 gelaufen bin. Ich war erfolgreich, weil ich in kleinen Schritten darauf hin trainiert hatte.

 Wie motiviere ich Mitarbeiter für die Langstrecke?

Christian Schnülle: Werteorientierte Arbeit beginnt ganz oben. Hat ein Unternehmen eine gute Führungskultur, sind Lob und Anerkennung die Geschäftsgrundlage. Daraus entwickelt HTU Modelle und Motivationssysteme. Motivationssysteme werden immer kurz-, mittel, und –langfristig aufgebaut. Sie brauchen einen Horizont. Entscheidend ist, mit geringem finanziellem Einsatz viel zu erreichen! Das ist der Punkt, um den es geht.

Herr Pohle, Herr Schnülle, vielen Dank für dieses offene Gespräch!

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David Pohle, Jurist, Verleger und Chefredakteur der Magazine „Der Hamburger“ und „Sehnsucht Deutschland“. Nach einer Banklehre und einem Jurastudium war der gebürtige Hamburger Pohle zunächst als Geschäftsführer einer Sportmarketing-Agentur maßgeblich für den Erfolg großer Events wie den „Cyclassics“ verantwortlich. Seine verlegerischen Aktivitäten und den Erfolg beschrieb das Handelsblatt anschließend als „kleines Wunder in Hamburg“.

Dipl.-Kaufmann Dr. Christian Schnülle, Managementtrainer und Unternehmensentwickler, ist Inhaber & Senior Partner HTU / Rastede / Hamburg. Unter seiner Leitung hat sich das HTU Netzwerk mit erfolgreichen Umsatzsteigerungprogrammen, Verkaufstrainings, projektbezogenen Strategieberatungen und Führungskräfteschulungen als Partner der Wirtschaft bundesweit einen Namen gemacht.

 

Moderation: Harald Schiller/geschichtenwerft Hamburg